erlebnisbericht-bulatAm 19. Oktober 2005 fand in unserer Familie ein freudiges Ereignis statt – Bulat kam zur Welt! Die Geburt verlief problemlos, er begann sofort zu schreien und bekam auf der Apgar-Skala 7/9 Punkte.

Ernste Probleme mit seiner Gesundheit und seiner Entwicklung gab es nicht. Er hat geschlafen, hat gegessen und geschrien, wann immer er wollte. Mit 6 Monaten konnte er sitzen, mit 13 Monaten laufen. Er war selten erkältet, hat keine Antibiotika genommen. In der Familie und der Verwandtschaft hat niemand Probleme mit dem Gehör, die Schwangerschaft war ohne Komplikationen verlaufen. Bulat war ein kräftiges, rotbäckiges Kind und reagierte sogar mit Lauten auf Zärtlichkeiten, daher kam uns niemals der Gedanke, dass er taub sein könnte.

Als Bulat ein Jahr alt war, bemerkte ich, dass irgendetwas nicht stimmte, konnte aber nicht verstehen, was es war. Wir haben uns miteinander mit Hilfe von Gesten verständigt, wie es üblich ist. Wenn er nicht auf seinen Namen reagierte, nahmen wir an, dass er durch das Spielen abgelenkt war. Wir sagten dem Kind:„Komm essen", und gingen in die Küche. Wir baten ihn, uns etwas zu geben, und streckten selbst die Hand aus. So tat das Kind alles, ohne etwas zu hören, indem es auf unsere Gesten reagierte. Es gab einige Laute von sich, die an Sprache erinnerten, und das war alles. Die Zeit verging und Bulat schwieg. Daraufhin haben wir uns an einen Neuropathologen gewandt und einen Therapie-Kurs absolviert, danach sollte es Fortschritte geben. Es geschah jedoch nichts. Mir wurde klar, dass unser Kind nichts hörte. Doch alle Verwandten wollten mir nicht glauben und waren der Ansicht, dass ich mir das nur einbilde. Alles nahm ein Ende, als Bulat 1 Jahr und 6 Monate alt war. Wir hatten wieder einen Termin bei einer Neuropathologin, welche die Vermutung äußerte, dass Bulat taub sei. Wir sitzen im Empfangszimmer des Spezialisten für Taubstummheit und bekommen das Urteil verkündet – beidseitige neurosensorische Schwerhörigkeit 4. Grades. Damals hatte ich von diesen Themen keine Ahnung und so gab es eine Menge Fragen: „Lässt sich das therapieren?" Der Arzt verneinte die Frage. Damals habe ich gehört, dass es eine Operation – die Cochlea Implantation – gibt.

Seit diesem Augenblick hat sich unser Leben grundlegend verändert. Alle machten sich große Sorgen, verstanden nichts und zogen daher die falschen Schlüsse. Es dauerte einige Tage, um wieder zur Besinnung zu kommen. Danach begann der arbeitsreiche Alltag! Jeden Tag erfuhren wir mehr über unser Problem. Jetzt wussten wir, dass Hörapparate notwendig waren, dass Übungen mit einem Pädagogen gemacht werden müssen, und dann das schreckliche Wort „Invalide". Anfangs schien es mir entsetzlich, dass mein Sohn Hörgeräte tragen muss, als ich jedoch erfuhr, dass mein Kind möglicherweise auch mit den Hörgeräten die Sprache schlecht verstehen wird, wurde es noch schlimmer. Wir begannen Informationen über die Cochlea Implantation zu sammeln und kamen immer mehr zu der Überzeugung, dass eine Operation notwendig sei. Die Hauptquellen für die Informationen waren Ärzte – Spezialisten für Staubstummheit -, Vertreter der Firma Advanced Bionics und das Internet.

Wir bereiten uns also auf die Operation vor. Wir tragen die Hörgeräte, üben regelmäßig mit dem Spezialisten für Taubstummheit und warten, wann man uns denn zur Operation einbestellt. Sechs lange Monate des Wartens und der Aufregung. In dieser Zeit haben wir alle notwendigen Untersuchungen machen lassen und waren von der Notwendigkeit der Operation überzeugt.

Und dann kam dieser Tag! Auch er hat unser Leben verändert, diesmal jedoch zum Guten. Es gab keinerlei Zweifel, dass alles gut wird! Bulat war zu diesem Zeitpunkt 2 Jahre und 1 Monat alt. Die Operation verlief erfolgreich, am nächsten Tag bekam Bulat jedoch vierzig Grad Fieber und die Ärzte hatten traurige und sorgenvolle Gesichter. Doch der Kelch ging an uns vorüber, es war eine Virusinfektion. Nach 10 Tagen wurden wir entlassen. Und nun warteten wir voller Ungeduld auf die Einstellung.

Und dann kam dieses freudige Ereignis! Das, worauf wir so sehr gewartet haben, die Geburt des Gehörs! Der Prozess der Einstellung war sehr interessant und aufregend. Die Reaktion war unklar, Bulat wurde still, er erstarrte und zwinkerte nicht einmal mit den Augen, mir war jedoch absolut klar, dass er hörte! Seit diesem Tag begann eine glückliche Zeit. Das Kind deutete ständig auf das Ohr, um zu zeigen, dass es hörte, das Bellen des Hundes, das Klingeln des Telefons, verschiedene Musikinstrumente, Spielzeuge, die Musik machten, das Kochen des elektrischen Teekessels. All das geschah allmählich, doch das Kind zeigte beständig, dass es hörte. Die Übungen mit dem Spezialisten für Taubstummheit verliefen sehr erfolgreich. Der Junge entwickelte sich rasant. Er begann nach Gehör zu unterscheiden, wenn man Tiere nachahmte, er unterschied die Laute „sch" und „s" und begann allmählich auf seinen Namen zu reagieren.

Jetzt ist Bulat 2 Jahre und sechs Monate alt, seit der Einstellung sind vier Monate vergangen und es hat bereits zwei Nachjustierungen gegeben. Bulat hört gut auf seinen Namen, sogar in lauter Umgebung. Er kann nach Gehör 15 Buchstaben unterscheiden und die Wörter: Mama, Papa, Nase, Ohren, Augen, Auto, Hund, Katze, Ball, Wasser, Banane. Rechteck, Kreis, Quadrat, Dreieck, die Farben Blau, Gelb, Rot, Grün. Er versucht den Klang einiger Wörter nachzuahmen. Zum Beispiel: „Wasser" – Baa, „Banane" – Baan, „trinken" – en, „gib" – ib. Er sagt: Mama, Papa, bi-bi (Auto), u-u (Flugzeug), pi-pi (Maus), abf-abf (Hund), o-o (ko-ko Huhn), mu (Kuh), a-a- (ga-ga (Gans), mua (Mücke), mau-mau (Katze) i-a (Esel), op-op (Hase), ba (Ball), mo-mo (bo-bo Bär), eh (tut weh), er kennt die Buchstaben: a. o, u, i, e, ja, sch, s, m, p. Er wiederholt, wenn ich zähle: Bei eins – sagte er „i", bei zwei „a", bei drei „i", bei fünf „ff". Heute haben wir ein Märchen gelesen, auch da versucht er das Gehörte zu wiederholen. Auf Fragen „Wo ist Mama, Papa, Omi, Tante, Onkel?" zeigt er auf die jeweilige Person. Wenn ich sage „Wir fahren mit Papa mit dem Auto", beginnt er sofort sich anzuziehen. Wenn das Telefon läutet, bringt er mir den Hörer. Er kann nach Gehör die Wörter groß und klein unterscheiden und die Musikinstrumente: Trommel, Tröte, Metallofon, Pfeife, Leier, Gitarre, Glöckchen, verschiedene Spielzeuge, die Musik machen. Wenn er den Apparat anzieht, prüft er ihn mit der Stimme, manchmal zieht er den Kopfsender aus und zieht ihn wieder an, so als würde er spielen „ich höre" – „ich höre nichts". Das Kind gibt den ganzen Tag Laute von sich und ist so gut wie nie still. Es liegt noch viel Arbeit vor uns, wir befinden uns jedoch auf dem richtigen Weg und werden es schaffen!

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karin-van-m-100h„Die Kinder entdecken ihre Welt ganz neu – dies ist für mich immer wieder ein Wunder“

Dr. h.c. Karin van Mourik, Präsidentin der Stiftung „Die Welt Hören“